Chance auf einen Neustart

Die Freien Demokraten stellen sich neu auf. Christian Dürr, der für den Parteivorsitz kandidiert, legt dar, was die FDP aus ihren Fehlern lernt und wie der Neustart gelingen soll.

Pressefoto Christian Dürr
FDP-Präsidiumsmitglied Christian Dürr will die Freien Demokraten in die Zukunft führen.

„Wir müssen den Fehler zunächst bei uns selber suchen, nicht bei anderen“, merkt Dürr im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ an. Die Freien Demokraten wären mit dem Anspruch die Regierung mit SPD und Grünen eingegangen, „im Land wirklich etwas zu verändern“. Das sei nicht ausreichend gelungen. 

Darüber hinaus seien durch den Angriff Russlands auch die Rahmenbedingungen massiv verändert worden. An dieser Stelle hätte die FDP auf eine Anpassung des Ampel-Programms drängen müssen, wenn das gelungen wäre, „hätte das manchen Streit und manche Blockade verhindert“, so Dürr. Mehr Schulden zu machen, um eine Koalition zusammenzuhalten, wäre jedoch kein Ausweg gewesen. Dürr räumt unumwunden ein: „Dafür haben wir die Quittung bekommen. Das ist bitter. Aber als Optimist sage ich: Es ist auch die Chance für einen Neustart.“

Den neu-konstituierten Bundestag ohne die Freien Demokraten betrachtet Dürr mit Demut, gleichzeitig ist ihm diese Konstellation aber auch Antrieb: „Also ich dachte, so darf ein deutscher Bundestag nicht aussehen.“

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Idee der Freiheit im Mittelpunkt

Dürr unterstreicht: „Die Idee der Freiheit, die bei uns im Mittelpunkt steht, ist grundsätzlich eine sehr sympathische – und diese Idee müssen wir auch so vermitteln, dass sich die Menschen dafür begeistern.“ Es werde allerdings nicht ausreichen, Probleme wegzulächeln oder mit Geld zuzuschütten, „so wie es Union und SPD gerade wieder planen“. Er warnt: „Wer so tut, als ob unendlich viel Geld da wäre, der belastet am Ende die Menschen und ihre Lebenschancen.

FDP soll modernste Partei Deutschland werden

Bei seiner Kandidatur um den FDP-Parteivorsitz setzt Dürr auf ein Führungsteam, „weil moderne Parteien so etwas heute brauchen“. Dürr kündigt an: „Wir werden ein Angebot machen für die Menschen der Mitte, die sich weder von krass rechten Parteien vertreten fühlen, die den Staat lächerlich machen, noch von SPD, Grünen und Union, die sich an den Staat klammern und ihn als alleinigen Problemlöser darstellen.“

Für dieses dritte politische Lager in der Mitte möchte er ein Angebot machen, als optimistische, sympathische Partei, die dennoch hart in der Sache sei und Reformbedarfe klar benenne. „Mein Anspruch ist, die FDP zur modernsten Partei Deutschlands zu machen“, so Dürr. 

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Frauen für die FDP begeistern

Seine Pläne für die Zukunft der Freien Demokraten gehen über seine Kandidatur für den Parteivorsitz hinaus. „Die FDP braucht mehr weibliche Mitglieder, das wird eine sehr grundsätzliche Aufgabe für die nächste Parteiführung werden.“ Hierfür müssten Zukunftsthemen angesprochen und viele unterschiedliche Köpfe eingebunden werden. Er will dabei allerdings nicht auf Quotenregelungen setzen. „Bei uns ist das anders. Ich denke an unsere Ministerinnen Daniela Schmitt in Rheinland-Pfalz und Lydia Hüskens in Sachsen-Anhalt, die durchgesetzt haben, dass ihre Länder beim Schuldenpaket nicht zustimmen.“

Neue Antworten wagen

„Ich glaube, dass die Freien Demokraten bei der Frage, wie macht dieses Land weiter, bei Demografie und Migration, ich glaube, da dürfen wir auch neue Antworten wagen“, klärte Dürr mit Blick auf eine inhaltliche Neuausrichtung der Freien Demokraten im Gespräch mit „The Pioneer“. Dennoch betonte er: „Ich bin nicht dafür, das individuelle Recht auf Asyl, also das ist der berühmte 16a des Grundgesetzes für politisch Verfolgte abzuschaffen, das ist aus meiner Sicht auch nicht notwendig.“ Seine Position zum Thema fasste er prägnant zusammen: „Es muss leichter sein, nach Deutschland zu kommen, um zu arbeiten, als nach Deutschland zu kommen, um nicht zu arbeiten. Es hat beide Seiten. irreguläre Migration nach unten, aber dieses Land, älter werdende westliche Gesellschaft, wir brauchen natürlich die Migration von talentierten Fachkräften aus aller Welt.“